Etwa 70 am Fortbestand und der Entwicklung des Revitalbades interessierte Menschen aus der Region versammelten sich auf Einladung des Vereins Revitalbad St. Blasien – Menzenschwand e.V. am 17.12. im Kurhaus Menzenschwand.

Unterstützt von einer kleinen Präsentation, erläuterte zu Beginn der Vereinsvorsitzende Gerhard Nennemann in unterhaltsamer und anschaulicher Weise den interessiert lauschenden Anwesenden, wie sich die Rettung des Revitalbades vor der drohenden Zuschüttung in den letzten Monaten entwickelt hat. Ausschlaggebend für das entstehende bürgerschaftliche Engagement war er Gemeinderatsbeschluss im September zur Schließung des Bades, gegen die vor allem Ulrike und Florian Schönherr und eine öffentlich zugängliche Petition verfassten, die bis heute von mehr als 3.000 Menschen unterschrieben wurde.
Aus den Treffen der Unterzeichner der Petition vor Ort entwickelte sich eine Initiative, die mit Plakaten auf die Petition aufmerksam machte. Da eine Petition ja nur eine Bittstellung ist, aber nichts an den Plänen der Stadt St. Blasien zur Aufgabe des Bades ändern würde, kam die Idee eines Bürgerbegehrens als rechtliches Mittel sowie einer Vereinsgründung als eventueller Bewirtschafter des Revitalbades auf.
Das Bürgerbegehren wurde u.a. von Cornelia Maier intensiv vorangetrieben. Die Formulierung war eine schwierige Aufgabe, da es nicht nur eine juristisch hieb- und stichfeste, mit Ja oder Nein zu beantwortende Frage sein musste, sondern auch ein Finanzierungskonzept gefragt war, ohne dass die Stadt das Bürgerbegehren ablehnen könnte. So entstand die Fragestellung, die bei Durchführung eines Bürgerentscheides die Zustimmung zu einem bis Sommer befristeten Verkaufs- und Veränderungsverbot des Revitalbades erbat. In wenigen Tagen fanden sich weit mehr als die nötigen knapp 200 Unterschriften, so dass das Bürgerbegehren formell bis 27. Januar bewilligt und in den darauffolgenden Monaten ein Bürgerentscheid durchgeführt werden müsste. Von einem Investor, der das Revitalbad nicht nur erhält, sondern auch weiter investiert und gestaltet, konnte der Verein damals ja nicht mal träumen …
Parallel beteiligte sich der jetzt in der Gründungsphase befindliche Verein sich an der Ausschreibung der Stadt St. Blasien für die Übernahme des Betriebes des Revitalbades. Dafür musste ein Betriebskonzept erstellt werden, das nach intensivem Zahlenstudium in mehreren nächtlichen Sitzungen und ausführlichem telefonischem und schriftlichen Austausch zwischen den Beteiligten vor allem von Winnie Bräuner formuliert und finalisiert wurde, so dass es rechtzeitig zum Abgabetermin am 1. Dezember der Stadt St. Blasien überreicht werden konnte.
Dieses Betriebskonzept wurde dem interessierten Publikum von Winnie Bräuner vorgestellt, es macht deutlich, dass der von der Stadt beklagte Zuschussbedarf von 650.000 € durch konzeptionelle und energetische Änderungen, eine gezielte Besuchersteuerung, eine Änderung des Personalschlüssels und weitere Maßnahmen in eine schwarze Null verwandelt werden kann – natürlich auch mit ehrenamtlichem Einsatz der Vereinsmitglieder.
Anschließend wurde von Armin Spitz der Verein an sich vorgestellt, der auch nach der Übernahme des Bades durch einen Investor eine Existenzberechtigung hat und sich je nach Situation und nach der Entscheidung der Mitglieder wandeln und neuen Herausforderungen stellen kann.
Einig waren sich alle Redner, dass sie sich sehr über das Engagement der Oswald Matt Group und auf die baldige Wiedereröffnung freuen und für eine konstruktive Zusammenarbeit zur Verfügung stehen.
Gemeinderat Christoph von Ascheraden, der sich seit dem Bau des Bades für dieses engagiert, schilderte die Sicht der Stadt und die Problematik, die das im Bürgerbegehren geforderte Verkaufsverbot beinhaltet, und betonte, dass das bürgerschaftliche Engagement erst der Initiative und dann des Vereins die Stadt überrascht und wesentlich dazu beigetragen hätte, eine „still und leise“ dauerhafte Schließung und Umwandlung des Bades zu verhindern.
Die Vereinsverantwortlichen wiesen darauf hin, dass der Verein nur indirekt Träger des Bürgerbegehrens ist, dass sich aber alle einig sind, einen zügigen Verkauf und eine baldige Wiedereröffnung zu unterstützen und selbstverständlich das Bürgerbegehren zurückzuziehen bzw. ruhen zu lassen, wenn Verkauf und Weiterbetrieb des Revitalbades nachgewiesen wurde.
Beendet wurde der Abend mit einem kleinen, leckeren Buffet und vielen und langandauernden intensiven Gesprächen zwischen Besuchern und Vereinsmitgliedern.
Für den Verein Revitalbad St. Blasien – Menzenschwand war dieser Abend sowohl ein erfolgreiches Finale – der Fortbestand des Revitalbades scheint gesichert – als auch ein Anfang, denn es war die erste öffentliche Präsentation seiner Arbeit, die sich in Zukunft so gestalten wird wie die Mitglieder es wollen. Hier gibt es viele Optionen, Möglichkeiten und Herausforderungen, denn bürgerschaftliches Engagement ist und wird angesichts immer knapperer Haushaltsmittel der Kommunen immer wichtiger, wenn wichtige Einrichtungen, die nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommune gehören, aber entscheidend für die Lebensqualität in der Region sind, erhalten und weiterentwickelt werden sollen.
Nachtrag:
Der Verein erhielt die Bescheinigung des Finanzamtes zur Gemeinnützigkeit, er wurde im Vereinsregister im Registergericht Freiburg eingetragen und konnte ein Konto bei der Sparkasse St Blasien eröffnen. Somit ist er eine voll handlungsfähige juristische Person.

